Auch Nicht-Mitglieder können an den Seminaren teilnehmen. Wenn Sie Interesse an kommenden Veranstaltungen haben, nutzen Sie unser Kontaktformular und wir informieren Sie persönlich!
Zu gut, um wahr zu sein
Warnung vor Abzockern
Beitrag von Werner Karl
Die Möglichkeiten „Künstlicher Intelligenz“ – kurz KI – äußern sich natürlich auch in negativer Weise. Um euch zu warnen, beschreibe ich euch einen Vorgang, der mich innerhalb weniger Tage 2x erreicht hat … und den ich natürlich nicht angenommen habe:
Ich erhielt folgende Mail:
Zitat
Sehr geehrter Werner Karl,
Menosgada ist ein historischer Fantasyroman, der den keltischen Oppidumsiedlungsplatz auf dem Staffelberg zum Ausgangspunkt einer eindrucksvollen Erzählung macht. Auf der Grundlage historischer Überlieferungen verbindet der Roman keltische und germanische Kulturwelten mit mythischen Elementen und entwickelt daraus eine vielschichtige Geschichte über Stammeskonflikte, spirituelle Traditionen und den Überlebenskampf einer Epoche im Wandel. Historische Bezüge und fantastische Motive greifen dabei eng ineinander und schaffen eine atmosphärische Welt voller kultureller und geschichtlicher Tiefe.
Besonders bemerkenswert ist Ihr Werk durch die Verbindung regionaler Geschichte mit einer sorgfältig entwickelten Fantasywelt. Die Einbindung keltischer Überlieferungen, historischer Landschaften und mythologischer Vorstellungen schafft einen glaubwürdigen erzählerischen Rahmen, der Leserinnen und Leser sowohl in die Geschichte als auch in die Fantasie eintauchen lässt. Dadurch entsteht ein Roman, der historische Inspiration und literarische Kreativität auf ausgewogene Weise miteinander verbindet.
Zitat Ende
Das hört sich erst mal gut an … zu gut, um wahr zu sein. Eine Absenderin mit deutschem Namen schmeichelt also mit dieser in geschliffenen Worten verfassten Rezension der Seele eines Autors, der sich nach tollen Rezensionen sehnt; so wie wohl alle Autoren. Eine noch viel ausführlichere (die erspare ich euch) „Rezension“ erhielt ich nur wenige Tage zu vor von einer anderen Absenderin mit deutschen Namen. Warum ich die Nationalität so betone, erläutere ich später.
Direkt nach dieser Lobhudelei lässt die „Rezensentin“ sozusagen „die Hosen runter“ und beschreibt sich als Marketing-Expertin, ganz besonders für freie Autoren, gemeinhin Selfpublisher genannt, aber auch für Autoren, welche in Kleinstverlagen so gut wie kein Marketing bekommen bzw. der Bekanntheitsgrad und die Verkäufe unbefriedigend bleiben. Genau das wollen diese Marketing-Spezialisten ändern und bieten hier ein umfassendes Paket für 457,00 € an - andere Kollegen erhielten Angebote von 600,00 € bis zu 4-stelligen Beträgen - an, welches für einen Zeitraum von 4 Wochen laufen soll.
Um die Geschichte abzukürzen, hier die Fakten, welche mir dieses Angebot als äußerst fraglich erscheinen lassen und ich euch eben davor warnen will:
1. Alle Bezugspunkte des Romans, welche in der Rezension auftauchen, sind Bestandteile meines eigenen Klappentextes, der kostenlosen Leseprobe (10 % des Romans) und einer Leserunde unter Lovelybooks. Also alles Details, welche frei im Netz zu finden sind.
2. Einige Kontrollfragen – die entlarven sollten, ob die Dame den Roman wirklich gelesen hat – wurden mit ausweichenden, das Detail umgehenden Formulierungen beantwortet. An dieser Stelle sollte ich betonen, dass diese Damen – wenn sie so clever gewesen wären, das preisgünstigere E-Book zu kaufen und tatsächlich zu lesen, sie alle Kontrollfragen locker hätten korrekt beantworten können. Taten sie aber offensichtlich nicht.
3. Die Mails an mich endeten immer mit einer Visitenkarte einer Dame … samt KI-generiertem Bild, welches im Netz aber nicht zu finden ist.
4. Meine Frage, warum keine Website (zur Eigenwerbung) dieser so tollen Marketingfirma existiere, wurde damit beantwortet, dass die Seite gerade in Arbeit sei. Am nächsten Tag (!) erhielt ich dann einen Link zu dieser ominösen Website … fand aber weder diese Dame noch die Namen anderer Marketingspezialisten.
5. Zurück zu den geschliffenen Worten der „Rezi“: Ja, man könnte von Profis eine solche perfekt formulierte Rezi erwarten. Wenn man aber zwischen den Zeilen liest, erkennt man typische Marketing-Plattitüden, welche KI-Programme perfekt liefern.
6. Zum Schein hatte ich gefragt, ob denn die 457,00 € halbiert gezahlt werden könnten; also die erste Hälfte bei Abschluss des Vertrages, die zweite am Ende der Laufzeit. Wieder wurde das in einer Mail bestätigt. Unmittelbar darauf erhielt ich eine weitere Mail, in der die Bankverbindung der Firma angegeben wurde … in Belgien … samt einem belgischen (oder nigerianischen) Kontoinhaber. Muss ich noch erwähnen, dass von der eingeräumten geteilten Zahlung kein Wort im Vertrag zu finden war?
7. Außerdem wurde angegeben, dass man nach dieser 4-Wochen-Aktion ein noch tolleres, umfangreicheres Paket ordern könne.
8. Als ich der ersten Dame absagte, kam keine Antwort darauf. Dafür einen halben Tag später die neue Mail; neue Dame, neue Rezi (mit fast identischem Wortlaut), neues Foto der Spezialistin.
Ich habe hier bewusst auf die Nennung der beiden Namen und auch der beiden Firmen verzichtet, da auch diese nicht nachzuprüfen sind und höchstwahrscheinlich auch KI-generierte Seiten sind, die zigfach aufploppen und bald wieder verschwinden. Eine seröse Marketingfirma – und die gibt es – hätte doch Interesse daran, gefunden und weiterempfohlen zu werden.
Also, liebe Kolleginnen und Kollegen: passt auf!
Nachtrag / Ergänzung
Mehrere unserer Mitglieder hatten die gleichen Spam-Mails erhalten und richtig reagiert. Unser Vorstandsmitglied Susanne Schmidt - schreibt und veröffentlicht englische Texte - hat mir hierzu noch eine wichtige Ergänzung geschickt, die ich euch nicht vorenthalten will:
Im englischsprachigen Raum plagen uns diese Scam-Emails seit letzten Herbst. Ich habe täglich manchmal mehrere davon in meinem Postfach. Sie umgehen jeden Spamfilter und sind immer personalisiert. Die schönen Bewertungen sind alle KI-generiert, wie du schon richtig vermutest auf Grundlage der Klappentexte wir sie auf Amazon und anderswo stehen. Sowohl Verlags- als auch freie Autoren erhalten sie. Manchmal auch für Bücher von gleichnamigen Autoren.
Sie nutzen eine Vielzahl an verschiedenen Taktiken. Buchrezensionen, Marketing, Festivals, Buchclubs, etc. Manchmal drohen sie Autoren auch mit schlechten Bewertungen. Oft stehlen sie die Identität von echten Kontaktpersonen, man erkennt sie dann nur an der anderslautenden Email. (Fast alle Scam-Emails kommen von Gmail-Adressen.)
Ziel ist es zum Einen Geld abzukassieren, zum Anderen, perfider, an die Login-Daten zu Amazon und anderen Plattformen zu kommen, um dann auch noch die Tantiemen klauen zu können.
Der Scam stammt meistens aus Nigeria (zumindest haben diese Leute meist plötzlich einen Assistenten mit nigerianischem Bankkonto an den man überweisen soll). Ich rate davon ab auf irgendwelche Links zu klicken. Am besten die Email gar nicht öffnen, da hier die Verfasser evtl. sehen können, dass die Mail geöffnet wurde, was weitere Mails nach sich zieht.
Wer des Englischen mächtig ist: Writer Beware, eine Website die Autoren vor Betrügern warnt, hat gleich mehrere Artikel zu diesen Emails. Hier der Neueste: https://writerbeware.blog/2026/06/30/the-first-clue-to-an-email-scam-may-be-the-address/
Liebe Grüße,
Susanne
KI in der Literatur
Eine Orientierung für Autoren und Leser
Beitrag von Werner Karl
Künstliche Intelligenz
Zunächst eine philosophische Frage: Kann etwas Künstliches wirklich intelligent sein? Beruht Intelligenz einzig auf möglichst vielen Daten? Oder doch auch auf Fähigkeiten wie Erfindergeist, Kreativität, Inspiration, Assoziation und sogar Empathie? Letztere Fähigkeit hatte schon Philip K. Dick in seinem Roman Do Androids Dream Of Electric Sheep? (1962) infrage gestellt. Der Roman wurde unter dem Titel Bladerunner (1982) grandios verfilmt. Aber so weit ist „Künstliche Intelligenz“ noch lange nicht. Dennoch ist man sofort versucht, dieses neue Instrument genau das zu fragen. Aber was ist mit der Antwort? Nehmen wir sie, ohne zu hinterfragen, als intelligent an? Vertrauen wir ihr? Lassen wir bei zunehmender Nutzung solcher Techniken unser eigenes Denkvermögen verkümmern? Verdummen wir?
Ich erinnere mich an den Begriff Digitale Demenz, welcher nichts anderes postuliert als eine Vernachlässigung des eigenen Denkens. Wir kennen nicht mehr die Telefonnummern aller Familienmitglieder, unserer wichtigsten Freunde oder Geschäftspartner auswendig. Wir kennen nur noch die Kurzwahlnummern 1, 2, 3 usw. Oder noch schlimmer: Wir fordern Alexa, Siri, Gemini u. a. KI-Stimmen auf, dort anzurufen. Bequem, sicherlich. Aber auch ein weiterer Schritt in eine Abhängigkeit. Ohne die gespeicherten Daten auf unseren Smartphones wären wir ziemlich aufgeschmissen. Und wie berühren nun die Segnungen einer KI uns Autoren?
Lockende Verführung
Beginnen wir mit dem, was ein Autor vor dem Schreiben tut oder machen sollte: mit der Recherche. Nachdem man i. d. R. kein Genie ist und alles zu einem bestimmten Thema wissen kann, nutzt man – ich hoffe, viele tun es noch heute – seriöse Quellen: Fachliteratur, Bibliotheken, profunde Spezialisten, eigene Erfahrungen und dergleichen. Diese Quellen mussten vor ihrer Veröffentlichung etliche Filter wie Korrektoren, Lektoren, Redakteure, Vorgesetzte und Doktorväter passieren. Die Verlockung, sich Antworten deutlich schneller und bequemer aus dem Internet zu holen, ist offensichtlich. Die KI-Treffer stehen in der Liste ganz oben.
Ich suchte mal per KI nach menschlichen Habitaten unter der Erdoberfläche. Ich bekam als Antworten Keller, Bunker, Erdbauten und versunkene Städte geliefert. Kein Wort zu U-Bahnhöfen, militärischen Anlagen, Verstecken u. ä. Warum nur diese? Weil sie eben keine Habitate im klassischen Sinne – also für Menschen geeignete Wohnbereiche – sind. Im Krisenfall dienen sie aber durchaus dazu; hoffentlich nur für eine kurze Zeit. Allein die unzureichende, in die Irre führende Fragestellung, kann unvollständige, gar falsche Antworten erzeugen. Die richtige Frage hätte lauten müssen: „Zähle alle unterirdischen Bereiche auf, in denen Leben möglich ist.“ Dass dazu auch die Wohnstätten von kleinsten bis großen Tieren zählen, von denen etliche auch von Menschen genutzt werden könnten, eröffnet Regionen, an die man nicht sofort denkt. Dazu unterirdische Bauten wie Heizungs- und Versorgungsanlagen, Wartungs- und Verkehrstunnel, Kabelschächte, Abwassersysteme und zig andere subterrane Bauten.
Klar: Für eine dumme Frage kann die KI nichts. Aber sie reagiert darauf auch nicht mit einer wirklich intelligenten Antwort. Ein (intelligenter) Mensch wahrscheinlich schon.
Plotten
Wir Autoren haben eine Idee, was wir in einem Roman erzählen wollen. Dazu meist einige Ankerpunkte / Ideen, was im Verlauf geschehen soll. Mal mehr oder weniger viele solcher Punkte bilden ein Handlungsgerüst, auf Neudeutsch einen Plot. Phantasielose Autoren lassen sich – schon wieder – dazu verführen, die KI nach einem Plotgerüst zu fragen. Und was bekommen sie? Einen Mix aus vorhandenen Texten, eine mitunter wilde Mischung längst erzählter Geschichten, gespickt mit Klischees, die niemand mehr zum tausendsten Male lesen will. Das ist das erste Kriterium, welches einen Text als KI-generiert entlarven kann. Und die Leser das Buch bald genervt zur Seite legen lässt.
Schreiben
Das eigenständige Schreiben sollte die ureigenste Fähigkeit / Aufgabe eines Autors sein und bleiben. Wenn dies durch eine KI erledigt wird, ist es m. M. nach schlicht und ergreifend Betrug am Leser, der ja Geld dafür ausgegeben hat. Und Betrug an sich selbst. Sogar die Berufsbezeichnung Autor ist hier schon Betrug. Wer KI-generierte Texte als sein eigenes Werk ausgibt, lügt. Punkt. Auch die Erzeuger dieser Machwerke haben das – und andere verräterische Spuren – mittlerweile erkannt und entsprechend reagiert. Zum Beispiel mit einem …
Pseudonym
Klar, ein Pseudonym an sich ist nichts Verwerfliches. Es gibt einige legitime Gründe, sich eines oder mehrere Pseudonyme zuzulegen. Sei es, um eine Autorenmarke – z. B. „Historischer Autor“ – nicht mit einem anderen Genre kollidieren zu lassen, oder um der Genre-Reihe eines Verlages zu entsprechen. Nebenbei: Ich glaube nicht, dass die Leserschaft verwirrt sein könnte, wenn ein Autor in mehreren Genres vernünftige oder packende Texte veröffentlicht. Hier unterschätzen manche Verlage wohl die Intelligenz (!) der Leser.
Flut von Texten
Mehr als bedenklich wird es allerdings, wenn ein KI-Autor zwanzig, dreißig oder noch mehr Titel in einem Jahr auf den Markt wirft. Den Namen zu googeln und den „Autor“ als KI-Autor zu entlarven, funktioniert leider heute nicht mehr. Wie gesagt: Die Erzeuger dieser Machwerke haben dazugelernt. Längst werden permanent neue Namen per Zufallsgenerator erschaffen, die dieses Identifikationsmerkmal ausklammern. Selbst die Viten solcher Personen werden KI-generiert, u. U. sogar samt Autorenfoto. KI machts möglich. Wer sie kritisch liest und betrachtet, wird aber rasch eine gewisse Stereotypie erkennen können. Die KI mischt auch hier, was es im Netz findet. Zugegeben: „Ich schrieb schon als Jugendlicher …“ usw., dürfte auf viele Autoren zutreffen. Selbst wenn es so war: interessant für potenzielle Leser ist dieser Karrierebeginn nicht.
Ein äußerst ärgerlicher Effekt – sowohl für Verlagsautoren als auch für freie Autoren – ist, dass die Unmenge an KI-Veröffentlichungen die Online-Verkaufsplattformen regelrecht überflutet. Natürlich zuerst die Kategorie „Neuerscheinungen“. Hier unter die ersten 100 Plätze zu kommen – denn diese sind es, welche potenzielle Käufer aufsuchen – wird massiv erschwert. Und ein Titel, der nicht gesehen wird, kann nicht bestellt werden.
Verlagswechsel / Anbieterwechsel
Mit dem vorgenannten negativen Aspekt korrespondiert ein legaler Vorgang, der – leider – in der Buchbranche gar nicht so selten ist: 1. der Wechsel von einem Verlag zum anderen, 2. die Rückübertragung von Verkaufs-rechten an den Autor, wenn der bisherige Verlag seine Tätigkeit einstellt und 3. der Wechsel von einem Anbieter (z. B. Amazon, BoD, tolino media, neobooks usw.) zu einem anderen Anbieter.
In allen diesen Fällen wird ein Autor bestrebt sein, seine vorhandenen Titel (seine Backlist) unter dem neuen Dach verkaufen zu können. Soll man hier nun etliche Monate warten, bis man einen oder mehrere Backlist-Titel als Neuerscheinung veröffentlicht, um nicht als KI-Autor verdächtigt zu werden? Was ist bei Mehrteilern? Die Leserschaft ist heutzutage ungeduldig und wartet nicht, bis man alle Titel einer Trilogie oder Quadrologie, gar einer noch längeren Reihe, in gebührendem Abstand publiziert hat. Es gibt scheinbar genug Leser, die Mehrteiler nur dann kaufen, wenn alle Teile verfügbar sind. Also, was soll man in solchen Fällen tun?
Der Text
KI-Texte können auch durch fehlende Tipp- und Rechtschreibfehler erkannt werden. Die Software, die dahintersteht – wenn sie denn sauber programmiert wurde –, macht eben keine menschlichen und völlig normalen Fehler. Dafür andere. Dazu aber später mehr.
Nun dürfte es der Anspruch eines jeden ernsthaften Autors sein, eben keine vermeidbaren Fehler beim Tippen, Korrigieren, generell beim Schreiben zu machen. Dazu sollte man immer – immer – Korrektoren und Lektoren nutzen, welche das Handwerk beherrschen. Das Ergebnis soll dem Leser ein ungestörtes Lesevergnügen bereiten. Sollen wir seriösen Autoren nun genau darauf verzichten, um nicht als KI-Autor verdächtigt zu werden? NEIN! Wir wollen weiterhin saubere Arbeit abliefern.
Was einen KI-Text wirklich als solchen entlarvt, ist eben das, was ich eingangs (als Positivpunkte für echte Autoren) schon angeführt habe: KI-Texten fehlt es an Erfindergeist, an Kreativität, an Inspiration, an Assoziation und an Empathie. Das kann eine KI (noch) nicht. Oder wird es hoffentlich nie können. Und selbst wenn doch: Sie wird nie ein neues Genre erfinden können wie z. B. J. K. Rowling mit den Harry-Potter-Romanen oder in der Science-Fiction die damals neuen Genres Cyberpunk und Steampunk. Zur Erinnerung: Eine KI kaut nur das durch, was es gibt. Sie ist nicht kreativ.
Charaktere
Hatte ich nicht schon eben den Begriff Stereotype erwähnt? Auch hiermit lassen sich KI-Texte oft entlarven. Da sind alle Archetypen von Charakteren zu finden, die man landläufig kennt. Und eben schon zig Mal gelesen hat. Einer KI wird nicht einfallen, eine ungeschickte Katze zu kreieren. Sie würde wohl daran scheitern, eine Figur im Verlauf der Handlung eine Wandlung vollziehen zu lassen. Und wenn doch, dann nach einem bekannten … und eben langweiligem Muster: Der anfangs noch rudimentäre Serienmörder wird peu à peu seine Perversion aus-bauen. Aber bestimmt nicht mit der Manier, die Ihnen als ideenreichen Autor einfallen mag. Je nach erlebten Schicksalsschlägen kann sich eine Figur in zig Richtungen verändern; nicht immer zum Bösen, vielleicht auch zum Guten. Haben Sie schon mal von einem feigen Druiden gelesen? Ich früher nicht. Also habe ich einen erschaffen …
KI-Korrektorat
Auch das gibt es schon. Programme wie Textshine, Languagetool u. a. leisten hier offenbar annehmbare Arbeit bei deutschen und englischen Texten. Textshine ist nicht kostenlos, scheint aber die besseren Ergebnisse zu bieten. Tester sprechen hier von einer Trefferquote von ca. 90 %, was erstaunlich hoch ist. Natürlich kann es passieren, dass Namen und spezielle Begriffe fehlkorrigiert werden, aber das ist bei der WORD-Korrektur und beim Duden Korrektor ebenso der Fall. Menschliche Korrektur ist also auch hier immer noch vonnöten. Eine zeitliche Ersparnis ist es dennoch. Allein darauf verlassen würde ich mich aber nie. Den nächsten Schritt zu einem optimalen Text – nämlich ein Lektorat – können diese Programme aber nicht bieten.
Das Cover
Auch hier tobt sich das Phänomen KI munter aus. Nun spricht an sich nichts gegen ein KI-generiertes Cover. Wenn es denn die Wünsche des Autors erfüllt, den Inhalt gut transportiert, ohne zu spoilern, Neugier / Kaufinteresse weckt, ist alles in Ordnung. Gerade freie Autoren – und zunehmend Kleinst-, Klein- und Mittelverlage – bedienen sich hier der KI-Technik. Noch einmal: Wenn es gut gemacht ist, habe ich nichts dagegen. Alle wollen Erstellungskosten sparen. Selbst Cover-Designer scheuen sich nicht, KI-Programme zu benutzen. Einzig das gute oder sehr gute Ergebnis zählt!
Wenn ich aber in diversen Social-Media-Plattformen lese, dass Leser allein aufgrund eines KI-Covers einen Roman ablehnen, und deswegen weder den Klappentext noch die oft angebotene kostenlose Leseprobe gelesen haben, dann bekomme ich schon Grundfragen.
Fazit
Was können wir Autoren also tun? Beharrlich darauf hinweisen, dass der Text unserem Gehirn entsprungen ist? So, wie ich es z. B. mit diesem no-KI-Hinweis in allen meinen Büchern klarstelle:
Dieser Roman ist – wie auch alle meine früheren Texte – von einem echten Menschen (eben von mir) ersonnen, verfasst und niedergeschrieben worden. Jegliche Ähnlichkeiten mit Texten einer sogenannten Künstlichen Intelligenz sind rein zufälliger Natur und ausschließlich meinem voll biologischen Autorengehirn entsprungen.
Es gibt schon etliche Verlage, die den Lesern versichern, dass die von ihnen verlegten Titel KI-freie Texte sind und sich dies vorher von den Autoren schriftlich bestätigen lassen. In Buchhandlungen tauchen Banderolen und kleine Einsteckzettel auf, auf denen das noch mal kommuniziert wird. Eine gute Sache, wie ich finde.
Was können Sie als Leser, als potenzieller Buchkäufer tun?
• Prüfen Sie kritisch die Titelliste und die Vita eines Autors.
• Suchen Sie nach Zeitungsartikeln, Interviews in Podcasts und nach Beiträgen zu ihm im Netz.
• Besuchen Sie dessen Autoren-Website.
• Lesen Sie die kostenlosen Leseproben.
• Gehen Sie zu Lesungen und hören Sie den Autor live seinen Text vortragen.
• Gehen Sie in Buchhandlungen und fragen Sie nach dem Autor. Wundern Sie sich dennoch nicht, wenn er dort nicht bekannt ist. Es gibt weitaus mehr Autoren als Buchhändler.
• Empfehlen Sie bei Gefallen den Autor an andere Leser weiter und bleiben Sie ihm treu.
• Schreiben Sie eine kurze Rezension.
• Schicken Sie dem Autor Ihre Meinung per E-Mail. Im Idealfall erhalten Sie eine Antwort, die nicht KI-generiert ist.
Sie können mir gerne Ihre Meinung zum Thema KI schreiben: autorwernerkarl@gmx.de
Copyright © 2026 by Werner Karl
Tolino Media vs. Amazon
Ein Vergleich für freie Autoren, Leser und Buchhandlungen
Beitrag von Werner Karl
Hintergrund
Dass die Digitalisierung alle Akteure der Buchbranche herausfordert, ist längst eine Binsenweisheit. Dennoch gibt es immer wieder Veränderungen im Buchmarkt, die neue Chancen bieten. Es ist verständlich, dass Buchhandlungen nicht gut auf Amazon zu sprechen sind und oft ihre Verärgerung auf Selfpublisher – ich bevorzuge die Bezeichnung freie Autoren – übertragen. Zu Beginn des Selfpublishings wurde diese Abneigung durch unprofessionelle Arbeiten und zugegeben oft auch schlechte Texte unterfüttert. Doch auch das hat sich längst geändert. Selbstverständlich gibt es heute noch Veröffentlichungen, die man sich sparen kann. Hier – wie in jeder anderen Branche – Qualität von Schrott zu unterscheiden, wird einem nicht leicht gemacht.
Dass nun in jüngster Zeit Texte, die von einer sogenannten KI (Künstlichen Intelligenz) produziert wurden die Online-Shops regelrecht überschwemmen, verschärft diese Situation. Hier selbst mit einem guten oder sehr guten von einem Menschen verfassten Text in den Bereich der Sichtbarkeit, also unter die ersten 100 Ranking-Plätze einer Genre-Kategorie vorzudringen, wird dadurch ebenfalls massiv erschwert. Manche Branchenkenner postulieren sogar schon den Zusammenbruch solcher Plattformen, da scheinbar scharenweise Buchkäufer von schlechten Titeln genervt sind und den Weg zurück in die Buchhandlungen nehmen. Ein erfreulicher und hoffentlich anhaltender Effekt. Anbieter wie Amazon, Tolino Media, BoD u. v. a. sind gefordert, diesem KI-Missstand Einhalt zu gebieten. Misstrauisch sollte man sein, wenn ein Autor 30, 40 oder noch mehr Titel im selben Jahr veröffentlicht. Auch die Recherche zum Autorennamen kann manchmal ziellos sein, da die Namen dieser KI-Autoren via Zufallsgenerator erstellt sein und wechseln können.
Zuerst: Wer ist Tolino Media bzw. welche Firmen stehen dahinter?
Aktuell sind diese Partnerfirmen im Tolino-Media-Verbund:
Tolino Media https://www.tolino-media.de/
Thalia* https://www.thalia.de/
Osiander https://www.osiander.de/
Hugendubel https://www.hugendubel.de/de
Meine Buchhandlung.de https://www.buchhandlung.de/karte/
Bücher.de https://www.buecher.de/
eBook.de https://www.ebook.de/de
*Teil des Konzerns Bertelsmann
Die Ursprungsidee war, ein deutsches Gegengewicht zu Amazon aufzubauen. Mittlerweile kooperiert man aber, da man eingesehen hat, dass ein Miteinander lukrativer ist als ein Gegeneinander. Für Buchhandlungen und Leser, welche Amazon ablehnen, ganz besonders aber für freie Autoren, stellt die Tolino-Media-Gruppe eine attraktive Alternative dar. Zu Beginn konnten nur E-Books publiziert werden, mittlerweile eben auch Taschenbücher.
Die Unterschiede zwischen Tolino Media und Amazon im Detail:
ISBN
Diese International Standard Book Number identifiziert einen gedruckten Titel, ob nun Taschenbuch, Paperback oder Hardcover. Das dürfte mittlerweile jeder wissen. Nun ist Sparen das Lieblingswort für alle, welche sich als freier Autor betätigen wollen. Hier bietet Amazon eine kostenlose ISBN an, allerdings „nur“ eine US-amerikanische (978-1-…), die nicht im VLB (Verzeichnis Lieferbarer Bücher) erscheint und somit der Titel von den Buchhandlungen dort nicht gefunden werden kann. Für den Direktverkauf bei Lesungen und den Verkauf eben über Amazon stört das erst mal nicht. Der Weg in die deutschen Buchhandlungen bleibt aber meist versperrt.
Hier geht Tolino Media einen anderen Weg: Gegen eine einmalige (!) Gebühr von 18,90 € / Titel bekommt man eine deutsche ISBN (978-3-…) und einen VLB-Eintrag! Selbst, wenn man einen oder mehrere Titel schon bei einem anderen Anbieter veröffentlicht hat, ist dies möglich, da weder Tolino Media noch Amazon auf einer Exklusivität bestehen. Dies wird übrigens gerne mit dem Angebot Kindle Unlimited von Amazon verwechselt, bei dem tatsächlich eine Exklusivität verlangt wird. Kann man machen, muss man aber nicht.
Ergo kann man auch Titel aus seiner Backlist auf der Plattform Tolino Media erstellen, hochladen und landet i. d. R. wenige Tage später bei o. g. Verkaufspartnern und im VLB.
Ob ein Titel dann wirklich im VLB gelistet ist, kann man kostenlos unter www.buchhandel.de prüfen. Name des Autors oder Titel des Romans oder die ISBN eingeben. Wenn der Titel dort aufgeführt ist, kann man sein Marketing starten. Hier empfiehlt es sich, alle Hebel zu nutzen, um Amazon-Ablehner, ganz besonders die regionalen Buchhandlungen zu informieren, dass es auch einen deutschen, bequemen und standardisierten Weg gibt, die Titel eines freien Autors aus der eigenen Stadt oder näheren Umgebung anzubieten; vielleicht öffnet dies auch dem Autor den Weg zu einer Lesung in den regionalen Buchhandlungen, die oft abgelehnt wurden, da man ja ein Amazon-Autor sei.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Hat man sich bei einem der Anbieter via E-Mail-Adresse und selbst gewähltem Passwort registriert bzw. angemeldet, wird man Schritt für Schritt durch ein Programm geführt, das sich bei beiden Anbietern ähnelt, einige Unterschiede aber zu beachten sind.
Bei Amazon sind neben E-Books auch Taschenbücher und Hardcover möglich. Legt man hier ein Taschenbuch an, kann man in einem (hinter drei kleinen Punkten versteckten) Untermenü zwischen „Probeexemplar bestellen“ und „Autorenexemplar bestellen“ wählen bzw. einkaufen. Ersteres hat den Sinn, das Ding physisch in Händen zu halten und zu prüfen, ob alles so gelungen ist, wie man es haben will. Wenn nicht, kann man entsprechende Korrekturen am Manuskript oder Cover vornehmen und neu hochladen. Zwar hat dann dieses Probeexemplar schon seine (US-amerikanische) ISBN, leider aber eine unschöne aufgedruckte Banderole rings um das Cover, was natürlich den Verkauf unterbinden soll, aber auch nicht für die Verwendung als Presseexemplar oder Pflichtexemplar für die DNB (Deutsche Nationalbibliothek) oder die betreffende Landesbibliothek (in Bayern: BSB - Bayerische Staatsbibliothek) taugt. Daher: Nur 1 Exemplar bestellen!
Bei Tolino Media gibt es zwei getrennte Wahlmöglichkeiten: „Printbuch drucken“ und „Printbuch veröffentlichen“. Bei Ersterem bekommt man nur einen Barcode, keine deutsche ISBN! Solche Exemplare kann man für die Eigenprüfung, und den Eigenverkauf nutzen, für die eine ISBN nicht unbedingt nötig ist. Nur bei der zweiten Möglichkeit wird eine ISBN samt Strichcode generiert und kann als kleine png-Datei heruntergeladen werden, siehe nachfolgende Themen.
Achtung! Ist via „Printbuch veröffentlichen“ der Upload des Manuskriptes und des Covers fehlerfrei vonstattengegangen, wird der Titel von Tolino Media geprüft und nach Freigabe automatisch an den Handel übermittelt. Im Gegensatz zu Amazon sind hier an den Dateien spätere Korrekturen nicht mehr möglich. Daher zuerst via „Printbuch drucken“ 1 Exemplar bestellen und selbst prüfen. Wenn alles okay ist, den Prozess „Printbuch veröffentlichen“ beenden und auf „Veröffentlichen“ klicken!
Manuskript-Datei
Bei beiden Anbietern muss man die ISBN selbst ins Impressum eintragen.
Beide Anbieter bevorzugen das Dateiformat pdf, welches allgemein bekannt sein dürfte. Ob nun aus WORD als doc, docx oder docm-Datei oder aus einem anderen Textverarbeitungsprogramm: Eine pdf zu erstellen, sollte klappen. Wenn man allerdings (wie ich) eine Variante von Seitenzahlen gewählt hat, die mehr zeigt als nackte Ziffern, kann man stolpern. Denn WORD sagt kein Wort (hihi) dazu, dass Seitenzahlenformate, welche auch nur das kleinste grafische Element wie z. B. Winkel oder Linien besitzen, plötzlich als „Zeichnungen“ betrachtet werden und man in den Druckoptionen ein Häkchen bei „In Word erstellte Zeichnungen drucken“ setzen muss. Wenn man das nicht macht, sind die Seitenzahlen in der pdf weg.
Ein Punkt, der einem ebenfalls erst mal grübeln lässt, ist die Frage, ob der Buchblock beschnitten ist. Bei der Manuskript-Datei i. d. R. nicht. Außer Sie haben Bilder in Ihrem Buchblock, welche bis zum Papierrand reichen und ergo mit „Buchblock beschnitten“ angekreuzt werden müssen.
Buchformat: Bei Amazon wird u. a. das häufig genutzte Format 5“ x 8“ angeboten, also mit dem Maß Inch, auf Deutsch: Zoll. Ein Inch / Zoll hat 2,54 cm; ergo dieses Taschenbuchformat ein Endmaß von 127 x 203,2 mm. Nun ärgert mich seit Jahren, dass die Amazon-Druckerei in Polen nicht fähig oder willens ist, dieses Maß exakt einzuhalten. Die rechnen frech mit 2,5 cm, anstelle 2,54 cm. Hört sich vernachlässigbar an? Mitnichten! Denn das reduziert die mühsam erstellte Coverdatei (siehe dort) in der Breite um 2 mm, in der Höhe sogar um 3,2 mm. Sehr ärgerlich, wenn dann das Cover nicht mehr in der Mitte sitzt oder unschön beschnitten ist. Auch Amazon scheinen Proteste in diese Richtung nicht zu interessieren.
Cover-Datei
Um beim Punkt „beschnitten oder nicht“ zu bleiben: Die meisten Buchcover dürften Bilder oder eine farbige Gestaltung haben, bei der die Bilder bis an den Rand reichen (und bitteschön eben nicht falsch beschnitten sein sollen!). Hier muss man „Beschnitt 3 mm“ beachten. Wie geht das?
Zunächst stellt sich die Frage, wie viele Textseiten ein Werk hat. Die Zahl sollte bei Tolino Media durch 4 teilbar sein; Amazon scheint das egal zu sein; die fügen einfach Leerseiten hinzu. Dann wählt man die Papiertype „creme-weiß“ oder „weiß“. Letzteres erzeugt einen sehr harten Kontrast zwischen dem schwarzen Text und dem weißen Papier. Das Auge empfindet cremeweißes Papier auf Dauer als angenehmer. Aber die Geschmäcker sind verschieden. Hat man nun Seitenzahl, Papier und Cover „Matt“ oder „Glänzend“ gewählt, errechnet das Programm die exakten Maße für Gesamtbreite und Gesamthöhe der Coverdatei, Beschnittbreite, Beschnitthöhe, Endformat des Buches und Breite des Buchrückens.
Ein Beispiel: Taschenbuch mit 424 Seiten ergibt eine Buchrückenbreite von 29 mm.
Format-Berechnung Amazon:
127 mm (Frontcover) + 29 mm (Buchrücken) + 127 mm (Backcover) + 2x 3 mm Beschnitt = 289 mm Gesamtbreite. 203,2 mm Höhe + 2x 3 mm Beschnitt = 209,2 mm Gesamthöhe. Ergo legt man in seinem Grafikprogramm – z. B. CorelDraw – die Fläche 289 x 209,2 mm an und exportiert das Cover als pdf. Beim Erstellen der pdf-Datei in den Einstellungen unter „Druckoptionen“ im Kästchen „Randanschnitt einschließen“ die 3 mm eintragen.
Format-Berechnung Tolino Media:
Dem Maß von Amazon (5“ x 8“) kommt das Taschenbuchformat 135 x 205 mm am nächsten. Ich komme im Punkt „Seiten / Papier sparen“ noch mal darauf zurück. 135 mm (Frontcover) + 29 mm (Buchrücken) + 135 mm (Backcover) = 299 mm Gesamtbreite. 205 mm Höhe = 205 mm Gesamthöhe.
Ihnen ist aufgefallen, dass die Grafikdatei hier kein Beschnittmaß hat? Natürlich. Ergo legt man in Grafikprogramm die Fläche 299 x 205 mm an und exportiert das Cover als pdf. Dennoch muss das farbige Bild (Cover) 305 x 211 mm groß sein. Tolino Media akzeptiert beim Upload nur das Endformat. Das größer angelegte Bild wird automatisch um 3 mm umlaufend beschnitten. Ein Punkt, der mich anfangs schier zur Verzweiflung gebracht hatte, weil ständig die Fehlermeldung kam „Cover entspricht nicht dem Buchformat“. Wenn man es weiß, ist es einfach.
Noch mal zurück zum Thema Manuskript:
Seiten / Papier sparen
Das o. g. Beispiel mit 424 Seiten hatte ursprünglich bei Amazon 542 Seiten. Zugegeben, da hatte ich die Schrifthöhe 12 p gewählt, bei Tolino Media dann 11 p. Die wirkliche Reduzierung der vorhandenen 542 Seiten auf nun 424 ergab sich aber hauptsächlich durch die 8 mm zusätzlicher Breite, welche das Tolino-Media-Format bietet. Hört sich wieder nicht viel an? Doch! Denn 424 Seiten á 39 Zeilen x 8 mm zusätzlicher Breite (inklusive Wechsel von 12 auf 11 p) hat hier eine Seitenersparnis von mehr als 21 % ergeben! Auch dazu später mehr im Punkt „Druckkosten / Tantiemen“.
Wenn man gleich im Tolino-Media-Format sein Werk anlegt, hat man nicht die Arbeiten zu erledigen, die jetzt folgen:
Zeilenumbruch / Seiten putzen
Jedem, der sich schon einmal mit Buchsatz beschäftigt hat, wird auffallen, dass ein Wechsel in der (Buch)Zeilenbreite auch neue Zeilenumbrüche ergibt. Unabhängig davon würde ich empfehlen, die niedrigste Stufe der Silbentrennung (bei WORD sind dies 0,25 cm) einzustellen. Es kann trotzdem passieren, das neue „Schusterjungen“ (erste Zeile eines neuen Absatzes, die einsam als unterste Zeile einer Buchseite gesetzt / gedruckt wurde) und „Hurenkinder“ (letzte Zeile eines Absatzes, die oben auf die Folgeseite gesetzt / gedruckt wurde und dort einsam – und vor allem sehr unschön – steht) auftauchen. Diese beiden Fachbegriffe aus der Druckindustrie beschreiben klare handwerkliche Fehler und müssen ausgemerzt werden!
Ebenfalls können durch den Wechsel der Zeilenbreite Miniwörter, wie hat, ist usw. oder die letzte Silbe eines Wortes aus der Zeile davor platzraubend und unschön in der nächsten Zeile stehen. Diese zu eliminieren, nenne ich Seiten putzen. Mit ein wenig Geschick kann man sie durch minimale Änderungen (auf Beibehaltung der Satzaussage achten!) des Satzbaus oder durch Löschen von Füllwörtern (was man ohnehin immer empfehlen kann) beheben.
Textlänge des Beispiels
Was nicht vergessen werden darf: Wenn aus 542 nun 424 Seiten geworden sind, har der Roman dennoch die gleiche Textlänge! Also habe ich im Impressum vermerkt: Ungekürzte Neuausgabe © 2026 by Werner Karl. Denn, wenn jemand sich wundert, warum der Preis bei niedriger Seitenzahl gleichgeblieben ist, sollte man diese Info nicht unterschlagen!
Druckkosten / Tantiemen / Buchpreis
Die Druckkosten für Eigenexemplare und die Tantiemen sind bei Amazon für den freien Autor günstiger; daran gibt es nichts zu rütteln. Doch durch o. g. Ersparnis von Druckseiten relativiert sich das wieder zum Teil. Wenn ich z. B. bei einem Taschenbuch mit rund 500 Seiten bei Amazon und einem Verkaufspreis von 20,00 € etwa 3,89 € Tantiemen bekommen habe, sind dies bei Tolino Media „nur“ 2,59 €. Diese geringere Marge nehme ich persönlich gerne in Kauf, wenn ich mir die Vorteile bei Tolino Media ansehe:
• Deutsche ISBN für einmalige 18,90 € / Titel.
• Eintrag ins VLB inklusive!
• Bestellmöglichkeit der Buchhandlungen wie sie es schon immer gewohnt sind.
• Die Chance, als freier Autor Lesungen in den renommierten Buchhandlungen zu bekommen.
• Gewinnung von Lesern, welche Amazon ablehnen.
• Kleiner Beitrag zum Erhalt von Arbeitsplätzen in der deutschen Druckerei, welche von Tolino Media genutzt wird.
Apropos Buchpreis: Bei Amazon hatte ein Teil meiner Titel den Verkaufspreis von 20,00 €, bei Tolino Media der gleiche Titel (wie gesagt, bei gleicher Textlänge) nur 19,99 € (einen identischen kann man nicht wählen). Da in Deutschland – zum Glück – immer noch die Buchpreisbindung gilt, habe ich also diese Titel bei Amazon mit wenigen Mausklicks ebenfalls auf 19,99 € gesetzt. Wenn Sie Ärger vermeiden wollen, vergessen Sie bitte diesen Punkt nicht.
Zum Schluss
Nein, ich bekomme keine Gage für diesen Artikel, weder von Amazon noch von Tolino Media. Er soll all jenen als kleine Hilfestellung dienen, die sich als freier Autor betätigen und Stolpersteine des Selfpublishings vermeiden wollen.
Mit kollegialem Gruß
und den besten Wünschen für das neue Jahr
Werner Karl
Copyright © 2025
Lyrik-Seminar mit Andra Schwarz am 9. März 2024
Mangels ausreichender Teilnehmerzahl kann das Seminar leider nicht stattfinden.
Am Sa., 09.03.24, ca. 9 bis 17 Uhr, soll für max. 10 Interessierte im CPH (Caritas-Pirckheimer-Haus), Nürnberg, Königstraße 64, endlich einmal wieder – wie von vielen bereits nachgefragt – ein Lyrik-Seminar stattfinden.
Selfpublisher-Treffen zum Erfahrungsaustausch
Auskunft geben an diesem (ersten) Samstag, 14.01.2023:
Christine Rieger, Helmut Herrmann und Ingo Stauch.
bei Helmut Herrmann, helmut.herrmann2@web.de oder
bei Petra Embacher, petra.embacher@gmx.de
Hörspielseminar mit Markus Orths
Manuskript-Feedback-Runde des Autorenverbandes
Wer von uns kennt es nicht … Ein neues Manuskript ist fertig. Aber ist es auch gut genug? Man bittet Familie und Freunde um Feedback. Aber sind sie wirklich ehrlich? Und verstehen sie überhaupt genug vom kreativen Schreiben, um das Manuskript einer kritischen Prüfung unterziehen?
Zu diesem Zweck haben wir bei der Jahreshauptversammlung 2019 besprochen, eine Manuskript-Feedback-Runde des Autorenverbands ins Leben zu rufen, um bewusst die Kompetenz der Autoren unseres Verbands zur gegenseitigen Unterstützung in Form vom qualifiziertem Feedback zu nutzen.
An diesen Verteiler kann man neue Manuskripte mit einer kurzen Inhaltsangabe senden. Dann können die anderen Mitglieder für sich entscheiden, ob sie das Manuskript lesen und Feedback an den Autoren geben möchten.
Wer Interesse hat, an der Manuskript-Feedback-Runde teilzunehmen, wird gebeten, eine E-Mail mit Betreff „Manuskript-Feedback-Runde“ an info@autorenverband-franken.de zu senden.