Werner Nennich

Das Bad im Meer

Der Himmel, das Meer, der flache, ins Wasser verschwindende Sandboden:

Das ist Bühne und Bühnenbild.

Jetzt Auftritt der Dame, sich ins Wasser vortastend, zurückweichend, trippelnd, innehaltend, hüpfend, Fußspitzen über das Wasser hebend, im Storchengang gehend, ein paar Schritte rennend, in die Hocke gehend, stehenbleibend, nach vorne in die Tiefe der Bühne sehend, nach der Seite sich drehend, sich bückend, das Wasser spürend, mit Händen aufnehmend und abschüttelnd, wieder hüpfend, die Arme über den Kopf werfend, tanzend zwischen Himmel und Meer, dann langsam Welle für Welle sich nach vorne wagend, schon bis zu den Knien, gar bis zum Gesäß im Wasser verschwindend, jetzt ein sich Vorbeugen, ein tief Atmen, ein durch den Körper laufender Schauer der Kühle des Wassers oder gar vor Vergnügen, ein sich Abdrücken mit den Füßen, sich Übergeben, sich Überlassen dem Meer, der See, dem tragenden Element, jetzt nur noch der Kopf ist zu sehen und die Bewegung im Wasser zu erahnen, ein Schauspiel, ein Erlebnis, archaisch, immer wieder stattgefunden und stattfindend:

Das Bad im Meer