Aus fränkischer Feder

Hier werden Ihnen in loser Folge literarische Kostproben unserer Mitglieder vorgestellt. Diesmal - passend zur beginnenden Saison - eine Gartengeschichte von Christa Bellanova

Fundstücke

Winzig, so groß wie ein Daumennagel, blau und weiß, unregelmäßig geformt, warst du sicherlich Teil von etwas größerem. Etwas nützlichem, vielleicht einem Krug oder einer Schüssel, irden. Über Jahrzehnte oder Jahrhunderte überdauert in der Erde. Die Finderin imaginiert dich gern als einen Haushaltsgegenstand aus der Zeit des 30-jährigen Krieges, was bei Lage der Dinge auch möglich gewesen wäre. Jetzt bist du Gesprächsstoff in einem dekorativen Pflanzenarrangement

Klein und rund, verformt wie ein Mondschüsselchen, mit Einprägungen eines Adlers. Zuerst dachte sie, es wäre eine Münze, evtl. eine römische. Sah sich schon berühmt werden, in den Printmedien als Besitzerin dieses Schatzes. Die Experten des GNM jedoch fanden heraus, dass du nur Teil der Uniform eines bayerischen Soldaten warst. Ein profaner Uniformknopf, der noch immer auf dem Wattebausch im Schmuckkästchen schläft und sich in die Träume der Augustfrau schleicht.

Es gibt so viele von dir im Garten zu finden. In allen erdenklichen Farbschattierungen. Hell, rötlich, grau oder dunkel, mit und ohne Streifen. Sie werden von der Frau gern nach Farben sortiert, wenn sie ausgedient haben. Dann zur Schau gestellt in kleinen Feengärtchen, aus Tonscherben und Ablegern. Diese leeren Häuschen die einst zu schleimigen Kriechern gehörten, die frische Setzlinge auffraßen. Jetzt sind sie post-mortem doch noch zu etwas nützlich, als Augenschmaus nämlich.

Zuerst dachte sie, es wäre ein ungewöhnlich geformtes Blatt, das sie im Kellerschacht zur Gartenseite hin fand, zwischen Spinnweben und hereingewehtem Laub.  Flach, dunkel und fest, erkannte sie später, dass es ein vertrocknetes Lebewesen gewesen war. Ein einst quakender Geselle  und sie fühlte ein Traurigkeit in ihrem Innern, dass er ausgerechnet in ihrem Garten ein Ende gefunden hatte. Nie mehr würde sie sich vom Quaken eines Frosches gestört fühlen, das schwor sie sich.

Was sich sonst noch fand, ist nichts Materielles. Es ist ein Gefühl, das im Frühjahr immer stärker wird. Wenn man die Hände wieder in die Erde stecken kann, und Pflanzen herausspitzen sieht, an unmöglichen Stellen. Die von selbst den Weg in diesen Garten gefunden haben, wie auch immer. Und am meisten Freude macht es, wenn tierischer Besuch auftaucht. Igel, die ein eigenes Häuschen haben, Eichhörnchen, die sich die wenigen Haselnüsse holen und natürlich die nicht erdgebundenen, die sich am Rosenbogen niederlassen und an der Holzwand und sich an den Gaben erfreuen.